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Die Zellentür wird hinter mir zugeschoben. Das musste ja irgendwann so kommen. Aber was soll's? Ich habe nur meiner politischen Motivation Geltung verschafft, aber Mord, dazu noch mehrfach, ist nunmal gesetzlich verboten, rein juristisch betrachtet gehöre ich folglich hierher und den Polizisten konnte ich nun wirklich nichts tun - sie haben nur ihren Job gemacht und waren unschuldig.

Ich blicke in den Spiegel, die drei kleinen Narben direkt unter dem linken Auge und meine schwarzen, säuberlich gekämmten Haare sind einfach definierend für mich. Doch was ist das? Im Spiegel erkenne ich ein schwaches Leuchten unter meinen Bett hinter mir. Neugierig drehe ich mich um und mache mich daran, das Bett beiseite zu schieben - kein scchweres Unterfangen, bei einem so leichten, klapprigen Gestell. Was ich entdecke, kann ich im ersten Moment nicht glauben.

Ein weiß glühend umrandetes Loch, mitten im Boden! Was ich dadurch erkenne, verblüfft mich noch mehr. Es ist ein Junge, nicht älter, als sechzehn, oder siebzehn. In Unterwäsche sitzt er auf einem Bett und tippt etwas in einen Laptop, oder eher scheint er gerade zu überlegen, was er schreiben soll. Ich versuche, den bisherigen Text von hier aus zu lesen:

Die Zellentür wurde hinter Larry zugeschoben. Ihm war klar gewesen, dass das einmal passieren würde. Auch wenn er nur aus seiner politischen Überzeugung hinaus gehandelt hatte, Mord war ein Verbrechen, das wusste er. Den Polizisten hätte er niemals etwas getan, er war niemand, der Menschen tötete, die aus seiner Sicht unschuldig waren. Im Spiegel betrachtete er nachdenklich seine drei Narben, direkt unter dem linken Auge und die schwarzen, ordentlich gekämmten Haare.

Mir stockt der Atem. Das bin ich! Und das ist, was ich gerade erlebe! Ich versuche, eine Hand durch das Loch, das Portal zu stecken. Als es mir gelingt, beschließe ich, mich komplett hindurchfallen zu lassen. Eine Sekunde später, stehe ich neben dem Bett des Jungen. Dieser ist so fixiert auf seinen Laptop, dass er mich garnicht bemerkt. Ich muss mich räuspern. Erschrocken blickt er mich an, seine Augen weiten sich vor entsetzen, panisch springt er auf und kreischt hysterisch: "NEIN! NEIN VERDAMMTE SCHEIßE!DAS KANN NICHT WAHR SEIN! ICH HABE ZU VIEL GESOFFEN UND BEFINDE MICH JETZT IN IRGENDEINEM KRANKEN KOMATRAUM!"

Ich verpasse ihm eine Ohrfeige."Nun, wie es aussieht stehe ich wirklich vor dir, auch wenn ich für dich nur eine von dir erfundene Figur bin. Kann es sein, dass du noch andere Killer, oder irgendwelche Monster erfunden hast? Der Junge hat sich entzwischen in einer embryonalen Stellung auf dem Boden zusammengerollt und wippt mit dem Kopf hin und her. "Nein.", wimmert er, "Es ist ein Netz ganz unterschiedlicher Geschichten und Figuren, zusammengetragen von einer großen Community."

Es ist also wahr, ich, jeder dem ich je begegnet bin, meine ganze Welt ist nur eine erfundene Geschichte. Das erklärt einiges, zum Beispiel warum dieser ominöse Serienmörder, "Jeff the Killer" noch nicht blind ist, oder warum so viele Leute in irgendwelchen Parks oder Wäldern einen "Slenderman" gesehen haben wollen.

Langsam wird mir klar, was für Möglichkeiten sich mir jetzt bieten. Mir kommt eine lustige Idee. "Hey du!", fahre ich den Jungen an, "Schreib, dass das ganze Gefängnis abbrennt und ich als einziger überlebe." Er scheint sich wieder etwas gefasst zu haben, jedenfalls gibt er Widerworte: "Wie soll den bitte plötzlich ein ganzes Gefängnis abbrennen? So einen Scheiß kann ich doch nicht veröffentlichen!" "Ich bin noch immer ein gefährlicher Mörder.", erinnere ich ihn.

Der Junge scheint zu verstehen und tippt sehr widerwillig:

Und dann brannte das ganze Gefängnis ab und nur Larry überlebte.

"Gut!", freue ich mich, "Und jetzt will ich noch Superkräfte!" Zähneknirscheend tippt er ein:

Und Larry bekam Superkräfte.

Ohne ein Abschiedswort begebe ich mich zurück durch das Portal, der Verstand des Jungen wird mich ohnehin bis morgen verdrängt haben.

Tatsächlich, ich stehe zwischen den qualmenden, teilweise noch brennenden Trümmern der Justizvollzugsanstallt. Verkohlte Leichen liegen rings umher, doch das vermag mir keine Schuldgefühle mehr zu bereiten, schließlich ist alles hier ja nur Fiktion! In der Ferne höre ich Sirenen. Ich habe keine große Lust, mich jetzt schon mit Feuerwehrleuten, womöglich sogar Polizisten auseinander zu setzen. Gehört die Fähigkeit des Fliegens auch zu meinen Superkräften? Ich habe nichts spezifiziert, also einfach versuchen. Ich möchte abheben und...es klappt!

Zufrieden gleite ich am Nachthimmel umher und genieße die atemberaubende Aussicht. Langsam dämmert mir, dass ich meine Superkräfte überhaut nicht brauche, das Wissen um die Beschaffenheit meiner Welt verleiht mir ungeheure Macht. Zuerst brauche ich einen Anzug, einen weißen, mit Nelke natürlich. Perfekt!

Ich habe eine Idee, ich werde mir ihn vornehmen. Selbstverstädlich weiß ich auch genau, wo er gerade ist. Ich teleportiere mich dorthin.

Der Schrottplatz, auf dem ich mich jetzt befinde wirkt grau und nicht sehr einladend, egal, das wird nicht lange dauern. "Hey! Komm mal her, Schneefresse!", rufe ich laut. Und hinter einem großen Haufen Wellblech tritt er schon hervor. Das eingeschnittene Grinsen, das schneeweiße Gesicht und de trüben, liedlosen Augen sind ekelerregend. Wer auch immer sich den Kerl ausgedacht hat, er hat eine kranke Fantasie.

"Was ist?", krächzt Jeff drohend, "Willst du schlafen gehen?"

"Nein, ich möchte dir etwas witziges erzählen, wir beide und unsere ganze Welt sind nur frei erfunden, unglaublich, nicht wahr?"

"Rede nicht so einen Müll und lauf lieber, bervor ich dich aufschlitze!"

"Wirklich! Und es kommt noch besser! Kennst du zufällig die Bedeutung des Wortes omnipotent? Oder hast du vielleicht mal den Film "Bruce allmächtg" gesehen?

"HALT JETZT DEINE NERVIGE KLAPPE!"

"Aber ich meine es ernst, alles ist möglich! Ich kann auch...", mir fällt etwas lustiges ein, was ich mal bei Spongebob gesehen habe. "EINE MILLION MAL DA SEIN!", rufen unzählige Larrys begeistert, bevor sie alle wieder verschwinden.

"ICH STECHE DICH JETZT EINE MILLION MAL AB!", wütet Jeff und rammt mir sein Messer tatsächlich merhmals in den Bauch, doch ich spüre keinen Schmerz.Mein Körper erlahmt zwar und bricht zusammen, doch anstatt tot zu sein sehe ich jetzt alles von oben. Noch einen kleinen Moment...und ich sitze mit einem neuen, völlig unversehrten Körper auf meinem alten und strahle Jeff glücklich in sein blasses Gesicht. Dieser schnappt vollkommen über und schneidet mir sogleich die Kehle durch.

Jetzt habe ich aber genug. Ich materialisiere mich fünf Meter hinter Jeff neu und schnippse mit den Fingern. Augenblicklich fällt krachend ein altmodisches, hölzernes Klavier auf ihn herab.

Selbstzufrieden betrachte ich mein Werk, als sich zuckend einer seiner Arme aus dem Haufen von Holzsplittern erstreckt. Noch ein Fingerschnippsen und ein massiver Amboss kommt hinterher. Jetzt ist aber Ruhe! Wie lange Jeff wohl brauchen wird, um zu bemerken, dass er einfach wiederauftauchen kann, wenn er will? Egal, zu Beginn seiner nächsten Geschichte wird er schon wieder lebendig sein, und die wird bald kommen, so oft wie der Mann in der Zeitung steht.

Was soll ich als nächstes tun? Ich zucke mit den Schultern. Erstmal losfliegen.

Ich werde noch viel Spaß haben!

Therdrer 22:52, 8. Aug. 2015 (UTC)

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